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Thibaut de Reimpré

Malerei | Biographie | Bibliographie

Klaus Hammer

Das symbolistische Ideal genauer Entsprechungen von Klang, Farbe, Gefühl und Assoziation beeindruckte Reimpré als kulturelle Errungenschaft – als Schlüssel zu modernen Erfahrungen. Die Farbe selbst wurde zum Thema seiner so lyrischen Arbeiten. Reimpré hat eine tiefverwurzelte Vorliebe für "natürliche" Farben. Farben, die aussehen, als hätte man sie direkt von der Oberfläche der Erde abgehoben.         

Reimpré scheint genau auf der Schwelle von Gegenständlichkeit und Abstraktion zu stehen. Noch können wir einige gegenständliche Elemente erkennen oder zumindest erraten, schemenhaft Figurales, Stillebenhaftes oder Landschaftlich-Geologisches: aber es ist offensichtlich, dass diese Motive nicht das Thema der Gemälde bilden. Reimprés Malerei begleitet den Fluss der Gedanken, Erinnerungen, Träume, Beobachtungen, hier zeigen sich die Spuren seiner Wege, die Abdrücke seiner wechselnden Befindlichkeiten, Stimmungen und Gefühle, gemischt mit aufflackernden Ideen und sich aufdrängender Gegenständlichkeit, deren Reste Verwandlung und Verzauberung, Traum und Sehnsucht suggerieren. Was Reimpré mit seinen Bildern will, hat Delaunay 1912 in einem Aufsatz "Über das Licht" beschrieben: Farbe und Licht "zu darstellerischer Selbständigkeit erheben", "einen Zusammenklang von Farben" schaffen zu wollen.         

So werden auch die Bildelemente Reimprés zu Analogien von Elementen einer in eine originale Unordnung gebrachten Natur, aus der der Maler die Ordnung seiner Schöpfung herstellt. Auf der Oberfläche wechseln raue mit weichen oder samtige mit glatten Stellen ab. Ein grafisches Gerüst überlagert die Grundstruktur, ohne sie zu verdecken, auf das Ungerichtete folgt Verdichtung, Betonung, Definition. Es sondert sich Gestalt von Textur, entsteht Rhythmus und Raum. Es mag erstaunlich und sonst nur selten zu beobachten sein, wie andere künstlerische Zeitströmungen im Werk Reimprés kaum Eingang gefunden haben. Mit eigensinniger Beharrlichkeit verfolgt er seinen Weg in der ganz direkten Auseinandersetzung mit den Frage- und Antwortmöglichkeiten seiner Bilder. Dabei gelangt er zu einer schöpferischen Fülle von Bildfindungen. Es geht um eine Kunst, in der alles schwebt, fließt, Übergänge schafft und so ein dichtes Gewebe bildet, in dem Bedeutungen und Formen sich umschlingen und vervielfältigen. Die Bilder haben bis zum Zerreißen gespannte Oberflächen, sind raumgreifend und bis zur Provokation exzentrisch. Reimprés Malerei gleicht einem Exzess und einer Verschwendung. So entsteht ein Gesamtklang von beeindruckender Dichte wie meditativer, spiritueller Bedeutung, der die Augen zu intensiverem Sehen provoziert. Das sind Bilder, in denen man sich verlieren kann.

 

The symbolist ideal of exact correspondences of sound, colour, emotion, and association impressed Reimpré as a cultural achievement, as key to modern experience. Colour itself became the subject of his very lyrical works. Reimpré has a deeply rooted preference for 'natural' colours. Colours that look as if they had been picked up directly from the surface of the earth.

Reimpré seems to stand precisely on the threshold between concreteness and abstraction. We still can recognize or at least guess at some concrete elements, shadowy figures, reminiscent of still lifes or landscapes: but it is obvious that these motifs are not the subject of the paintings. Reimpré’s paintings accompany the flow of thoughts, memories, dreams, observations, here the traces of his paths reveal themselves, the marks of his changing states, moods, and emotions, mixed with flaring concreteness, whose remnants suggest metamorphosis and enchantment, dreams and longing. What Reimpré wants to achieve with his paintings Delaunay describes in his 1912 essay entitled On Light: ‘to raise’ colour and light ‘to a visual independence’ and to create a ‘harmony of colours’.

Thus Reimpré’s visual elements become analogies of elements in a nature that has been brought to a state of original disorder, from which the painter fashions the order of his creation. On the surface, rough and soft areas alternate, and velvety and smooth ones. A graphic framework is superimposed on the basic structure without hiding it, the unfocused is succeeded by condensation, emphasis, definition. Shape or gestalt sets itself apart from texture, rhythm and space develop. It may be amazing (and indeed rare) to observe how other prevailing artistic trends have hardly left any mark on Reimpré’s work. With stubborn insistence, he pursues his path, a most direct engagement with his paintings’ potential for posing questioning and giving answers. In doing so, he achieves a creative plenitude of visual inventions. At issue is an art where everything floats, flows, creates transitions, where meanings and forms embrace each other and multiply. The paintings have a surface that is very taut; they are expansive and eccentric to the point of provocation. Thus an overall sound of impressive density is created, as well as of a meditative, spiritual meaning which asks our eyes to look more intensively. These are paintings in which we can lose ourselves.