Egbert Baqué   Contemporary Art Berlin
Künstler
Aktuelle Ausstellung
Nächste Ausstellung
Bisherige Ausstellungen
News
Editionen
Über die Galerie
Kontakt
Home
Tim Plamper

Malerei | Biographie

Thibaut de Ruyter

Zu Tim Plamper

Darf man sich als Betrachter ein Kunstwerk zunächst einmal nur unter handwerklichen Aspekten anschauen? Ist es erlaubt, bevor wir über Surrealismus, Gilles Deleuze, die Kunstgeschichte oder bestimmte Begriffe sprechen, einfach mal die bildnerische Qualität einer Arbeit zu bewundern? Und einzugestehen, dass sie uns ästhetisches Vergnügen, dem Auge Genuss bereitet, bevor wir sie geistig durchdringen? Genau in eine solche Situation versetzen uns die Werke von Tim Plamper.

Als ich eines Tages mit einer befreundeten Galeristin eine Kunstmesse besuchte, wollte ich ihr an einem Stand unbedingt Arbeiten einer Künstlerin zeigen, von denen ich meinte, dass sie ihr gefallen könnten. Meine Begleiterin warf einen flüchtigen Blick auf die Bilder und beschied kühl: "Schau dir die Hände an, sie kann keine Hände zeichnen." Dem wusste ich nichts entgegenzusetzen, und sie hatte Recht. Seitdem stelle ich mir, wenn ich eine Zeichnung (oder auch ein Video, eine Installation, ein Gemälde) sehe, zuerst die Frage: "Ist diese Arbeit gut gemacht"? Das klingt sicher konservativ, anti-intellektuell und vielleicht auch gefährlich, aber es stimmt: Es gibt in der Kunst ziemlich viele Leute, die ohne technische Fähigkeiten vor sich hin werkeln und ihre Mängel hinter abenteuerlichen Theorien oder banalen Konzepten verbergen. Als ich zum ersten Mal eine Zeichnung von Tim Plamper sah, fiel die Antwort auf diese Frage allerdings eindeutig aus: Er ist einer der besten Zeichner, die ich kenne!

In den Arbeiten seiner dritten Einzelausstellung bei Egbert Baqué Contemporary Art spielt der Künstler mit Brüchen, stemmt sich gegen "das Schöne", die unmittelbare Kraft der Verführung, die er perfekt beherrscht. Diesmal schwelgt er in Schwarz, malt mit zähflüssigem Lack, der sich nicht so einfach handhaben lässt, den er aber gleichwohl mit der ihm eigenen Präzision einzusetzen weiß, hier und da auch in Sprühtechnik aufträgt und hat aus Fotokopien komplexe schwarz-weisse Collagen gefertigt. Nachdem er in den Ausstellungen zuvor seine Fähigkeiten unter Beweis gestellt hat, demontiert er nun den Mechanismus seines Spielzeugs und setzt den Motor neu zusammen. Jetzt könnten wir anfangen, über Surrealismus zu sprechen, über Kunstgeschichte, bestimmte Begriffe und über Gilles Deleuze. Aber das ist eine andere Geschichte...

 

On Tim Plamper

Is it permissible for the beholder to initially look at a work of art in terms of craft? Is it permissible, before we speak of surrealism, Gilles Deleuze, art history, or certain terms, to simply admire the craftsmanship of a work? And to admit that it gives us aesthetic pleasure, delights the eye, before we penetrate it intellectually? This is precisely the situation that Tim Plamper’s works put us in.

When one day I visited an art fair with a friend of mine who runs a gallery, I very much wanted to show her works by an artist at one booth because I thought she would like them. My friend glanced briefly at the pictures and remarked coolly: ‘Just look at the hands, she can’t draw hands.’ I didn’t know how to counter that – she was right. Ever since then, when I see a drawing (or a video, an installation, a painting) I first of all ask myself, ‘is this work well done?’ That sounds probably conservative, anti-intellectual, and perhaps also dangerous, but it is true: in the art world, there are quite a lot of people potter about without any technical skills, hiding their deficits behind abstruse theories or banal concepts. When I saw a Tim Plamper’s drawings for the first time, the answer to this question, however, was clear: he is one of the best drawers I know!

In the works in his third solo show at Egbert Baqué Contemporary Art, the artist plays with disruptions, resists ‘the beautiful’, the direct power of seduction that he masters so perfectly. This time, he indulges in black, paints with viscous paint that is not easy to handle, but which he uses with the precision so typical for him, and which he occasionally also sprays onto the background. He also produced complex black-and-white collages out of photocopies. After having proven his abilities in the two previous exhibitions, he now dismantles the mechanism of his toy, and reassembles the engine anew. Now we could start to speak about surrealism, about art history, certain terms and about Gilles Deleuze. But that is a different story…

 

Sur Tim Plamper

A-t-on le droit de regarder une œuvre d’art – avant tout – sous un aspect technique? J’entends par là : plutôt que de parler de surréalisme, de Gilles Deleuze, d’histoire de l’art ou de concepts, admirer simplement la qualité plastique d’un travail? Et admettre qu’il nous procure une satisfaction esthétique, donne du plaisir à l’œil, avant d’être intellectuelle. C’est le juste dilemme que posent les œuvres de Tim Plamper.

Un jour, alors que je visitais une foire avec une galeriste de mes amies, je m’empressais de lui montrer, sur un stand, les œuvres d’une artiste qui, je pensais, devraient lui plaire. Elle jeta un œil distrait et son jugement tomba froidement : « elle ne sait pas dessiner les mains ». Je ne pouvais rien répondre à cela et elle avait raison. Depuis, lorsque je vois un dessin (mais aussi un vidéo, une installation sonore, une peinture) la première question que je me pose est : cela-est-il “bien-fait” ? C’est sans doute parfaitement rétrograde, anti-intellectuel et dangereux, mais c’est un fait : il y a dans l’art beaucoup de gens qui œuvrent sans savoir faire et comblent leurs lacunes à grands coups de discours abscons ou de concepts faciles. Alors, lorsque j’ai vu pour la première fois un dessin de Tim Plamper, je dois dire que la réponse à cette question était directe : c’est un des meilleurs dessinateurs que je connaisse !

Pour sa troisième exposition personnelle à la Galerie Egbert Baqué Contemporary Art, l’artiste joue la rupture, un refus du “beau”, de la séduction directe qu’il maîtrise parfaitement. Il passe dans la noirceur, utilise de la laque épaisse qu’il contrôle moins mais manipule avec toujours autant de précision, lâche des coups de peinture en bombe et fabrique des collages complexes à partir de photocopies noir et blanc. Après avoir montré qu’il sait parfaitement faire, il démonte le mécanisme de son jouet et bricole avec le moteur. On pourrait maintenant parler de surréalisme, d’histoire de l’art, de concepts et de Gilles Deleuze. Mais cela est une autre histoire...

 

 

Gunnar Herzig

Was darunter ist

Die Bilder Tim Plampers zeichnen sich durch eine Intensität aus, die zum einen seiner monochromen Farbwahl zuzuschreiben ist, zum anderen einer eindrücklichen Dezenz mit der das figurativ Gemalte dem Betrachter entgegentritt.

Das Konzentrierte, Ruhige, Unaufgeregte der Motive lässt dem Betrachter Zeit, sich ihnen zu nähern und sich zurechtzufinden, allerdings ohne dem Dargestellten sogleich auf den Grund kommen zu können. Gerade diese gewisse Unergründlichkeit der Bilder, die jedoch nicht beliebiger Verstörung oder simpler Absurdität entspringt, vielmehr etwas Einladendes hat, verleiht ihnen eine wundersame Aura, von der sich der Betrachter gerne einfangen lässt.

Der Künstler gibt weder eindeutige Thesen, noch Themen, nicht einmal Titel vor. Seine Bilder sind nicht bloß visuelle Transkriptionen von Sagbarem. Vielmehr will Tim Plamper sich vorsichtig Geahntem nähern. Nicht zuletzt mag es seinem archäologischen Interesse entsprechen, Darunterliegendes durch sorgfältige, ruhige und präzise Arbeit mit dem Pinsel langsam freizulegen.
Hierzu muss gelegentlich das Arbeitsmaterial gewechselt werden. So entstanden Arbeiten mit Acryl auf Papier, Lack auf Blech und sein jüngstes Bild, ein mit knapp zwei Metern Durchmesser ausladendes Tondo, das mit Lack auf Holz gefertigt wurde. In dieser Arbeit finden sich sämtliche Charakteristika dieses noch jungen Werkes vereint: Wir sehen zwei in einem merkwürdig gerasterten Raum beieinander sitzende, sich anblickende Figuren. Ein Mann – in dessen Haut der Künstler selbst geschlüpft ist – in einem Sessel und leicht vorgebeugt, scheint mit einer Hand das Bein einer Frau beinahe zu berühren. Die Frau indes sitzt, die Hände im Schoß gefaltet, auf einem Hocker etwas reserviert da. Dominante Farbe: Schwarz. In die mystische Rätselhaftigkeit solcher, von einer Spannung zwischen unüberbrückbarer Isoliertheit und gleichzeitiger körperlicher Nähe bestimmter plamperscher Szenerien, muss sich der Betrachter selbst hineinwagen. Dazu erhält er weder Hinweis noch Hilfe. Jeder muss wissen, wie er sich auf Tim Plampers Arbeiten einlassen will, um herauszufinden, was darunter ist.